Bindet Ihr Eure Schuhe richtig? Oder: nie mehr Doppelknoten!

10.05.2012, 14:55 Uhr

Segeln bildet. Vor etwa einem Jahr war ich zum ersten Mal segeln. Auf dem Bodensee, es war ein echtes Erlebnis. Beim Segeln ist es sehr hilfreich, bestimmte Knoten zu beherrschen, als absoluter Leichtmatrose kommt hier vor allem der Webleinenstek in Frage, er wird benutzt um die Fender an der Reling festzumachen. Ein anderer wichtiger Knoten ist der Kreuzknoten, er dient dazu, zwei – in der Regel gleich starke – Seilenden zu verbinden.

Als ich in der Nachbereitung unseres Bodensee-Törns damals den Wikipedia-Artikel zum Kreuzknoten durchlas, gewann ich eine für mich bahnbrechende Erkenntnis: ich habe von Kindheit an meine Schuhe falsch gebunden! Dies führte, je nach Material der Schnürsenkel früher oder später dazu, dass ich meine Schuhe erneut binden musste, oder gar einen Doppelknoten machen musste, um mich nicht alle zehn Minuten erneut bücken zu müssen.
Die richtig gebundene Schuhschleife ist ein “doppelt auf Slip gelegter Kreuzknoten”. Doppelt auf Slip gelegt heisst: der Knoten wird mit zwei Schlaufen versehen, um ihn leichter öffnen zu können. Richtig gebunden wird er rechts über links und dann links über rechts (oder umgekehrt). Wenn man nun aber den zweiten Überhandknoten in die gleiche Richtung macht wie den ersten, ergibt sich ein Knoten, der sich recht leicht löst, ein sogenannter Altweiberknoten.

Man kann übrigens recht leicht erkennen, ob man sich das Schuhebinden richtig gemerkt hat oder nicht: zieht einmal das lose Ende Eurer Schnürsenkel am gebundenen Schuh durch (also das lose Ende innen an der Schlaufe anfassen und durchziehen). Bei einer richtig gebundenen Schleife müsstet Ihr nun einen Kreuzknoten sehen, der so aussieht:

Kreuzknoten

Die falsch gebundene Schleife ergibt den Altweiberknoten, der so aussieht:

Altweiberknoten

Das Problem für mich war damals: “wie zum Teufel gewöhne ich mir die alltägliche Routine des Schuhebindens um?” Meine Lösung war, den ersten Knoten, also das erste Kreuzen der beiden Enden einfach anders herum zu machen. Freunde, die sich das Schuhebinden ebenfalls falsch gemerkt hatten, änderten das Schleife machen und berichten auch von großen Erfolgen.

Ich denke, falls Ihr herausfindet, dass Ihr Eure Schuhe bisher nicht richtig gebunden habt, findet Ihr durch ein wenig Experimentieren einen Weg, es richtig zu machen. Viel Erfolg!

Ode an den Wasserkocher

30.12.2011, 10:59 Uhr

Es gibt viele nützliche elektrische Küchenhelfer, sei es der Pürierstab für Kürbissuppe und Bananenmilch oder das Handrührgerät für Eischnee, Kuchen- und Pizzateig. Weitere Geräte wie Toaster oder Kontaktgrill sind auch in meiner Küche zu finden, ich nutze sie aber eher selten. Ein Gerät jedoch findet wirklich jeden Tag Verwendung, oft sogar mehrfach: der Wasserkocher. Da ich zuhause fast ausschließlich löslichen Kaffee trinke, ist der erste Griff in der Küche am Morgen der zum Wasserkocher. Natürlich kann man den Kaffee mit dem Wasserkocher auch auf andere Art zubereiten, zum Beispiel mit der “French Press” oder klassisch mit dem Filter auf der Kanne.

Gleichzeitig wird übrigens auch schon das Kochwasser für die Frühstückseier gekocht, das geht schneller – und wohl auch stromsparender – als mit dem Herd. Deshalb bietet es sich natürlich auch an, Kochwasser für Pasta im Wasserkocher vorzubereiten. Auch Brühen (Instant, ich gebs zu) als Kochzutat bereite ich mit Hilfe des Wasserkochers vor. Der Wasserkocher ist als unbestritten das meistgenutzte, und damit wohl auch das nützlichste elektrische Gerät in meiner Küche. Nachdem dieses Jahr der alte Wasserkocher vom Discounter übrigens überraschend die Zusammenarbeit versagte, kommt nun erstmals ein Markengerät zum Einsatz (ein Braun Aqua-Express WK 210 mit 2200-Watt-Heizleistung und einem Fassungsvermögen von 1,6 l). Es ist übrigens fast unglaublich, welche Vielfalt es bei Wasserkochern auf dem Markt gibt, was sich natürlich auch im Preis niederschlägt: da gibt es vom Reisewasserkocher für nen Zehner bis hin zum Design-Express-Gerät für mehrere hundert Euro alles. Mit dem Markengerät aus der mittleren Preisklasse bin ich mehr als zufrieden.

Wie alle elektrischen Küchenhelfer braucht der Wasserkocher natürlich Strom. In einem Radiobeitrag hieß es einmal, wenn die Briten ihre Wasserkocher nur mit so viel Wasser befüllen würden, wie sie tatsächlich benötigten, könne man locker ein ganzes Atomkraftwerk einsparen. Auch bei uns ist diese Unsitte leider weit verbreitet: in mehreren Büroküchen konnte ich schon beobachten, dass der Wasserkocher oft bis zur maximalen Höhe befüllt wird, obwohl die Kollegen sich lediglich eine Tasse Tee zubereiten wollten. Teilweise passiert dies sogar mehrfach, weil man das kochende Wasser beim ersten Versuch vergessen hat. Hier werden wirklich unnötig große Mengen von Strom verschwendet, weshalb ich selbst meist versuche, den Wasserkocher so knapp wie möglich zu befüllen. Dank der Wasserstandsanzeige auf beiden Seiten ist das bei meinem Wasserkocher sowohl für Rechts- wie Linkshänder ein leichtes.

Abschließend noch einige wohl eher ungewöhnliche Nutzungen des Wasserkochers:

  • um Abflussverstopfungen vorzubeugen kann man etwas Spülmittel in den Abfluss geben und dann mit kochendem Wasser nachspülen.
  • Aus dem Bekanntenkreis gibt es die Geschichte von dem WG-Mitbewohner, der Rippchen mit Sauerkraut im Wasserkocher erhitzt hat, was definitv keine empfohlene Nutzung dieses Gerätes ist.
  • Man kann jedoch zum Beispiel Wasser für Würstchen im Wasserkocher kochen, diese müssen ja anschließend nur etwa 15 Minuten ziehen. Hierfür bietet sich zum Beispiel ein hoher Theroms-Kaffebecher an. Ich danke dem unbekannten Kollegen, der seinen Kaffeebecher stehen ließ ;-)
  • Ein Kollege bereitete im Büro Glühwein im Wasserkocher zu, allerdings gab er den Wein nicht direkt in den Kocher, sondern er stellte die geöffnete Flasche in den Kocher, also quasi ins Wasserbad. Das hat auch ganz gut funktioniert.

Weihnachtsgrüße 2011

23.12.2011, 14:54 Uhr

Stuttgart 21 – nach der Volksabstimmung

03.12.2011, 13:03 Uhr

Zugegeben, ich habe das Bedürfnis, mir ein wenig den Frust von der Seele zu schreiben. Über das Ergebnis der Volksabstimmung am 27. November bin ich einigermaßen enttäuscht. Denn auch wenn das Ergebnis vorhersehbar war, ein anderer Ausgang der Volksabstimmung geradezu unmöglich erschien, bleibt angesichts des großen persönlichen Engagements eine tiefe Unzufriedenheit.

Zur Erinnerung: die Bevölkerung des Landes Baden-Württemberg war aufgerufen, über den Ausstieg des Landes aus der Mischfinanzierung des Bahnhofneubaus in Stuttgart (genannt Stuttgart 21) zu entscheiden. Schon im Vorfeld wurden die Chancen niedrig eingeschätzt. dass die Gegner des Immobilienprojekts sich bei der Volksabstimmung durchsetzen würden. Noch dazu galt es, ein kaum zu überwindendes Quorum von einem Drittel der Wahlberechtigten zu erfüllen. Die Befürchtungen bestätigten sich, lediglich 19.8% der Stimmberechtigten sprachen sich für den Ausstieg aus, 28.3% der Stimmberechtigten stimmten dagegen, 51,7% der Wahlberechtigten beteiligten sich erst gar nicht an der Abstimmung.

Von den Befürwortern des Bahnhofsneubaus wird dieses Ergebnis nun als ausdrücklich Zustimmung zum Bahnhofsbau gedeutet, eine Implikation, die ich so nicht teile, zumal im Wahlkampf die Vor-und Nachteile des Projekts von der “Nein zum Ausstieg”-Fraktion kaum thematisiert wurde, sondern ein Angstszenario aus horrenden, viel zu hoch angesetzten Ausstiegskosten aufgebaut wurde oder gar, wie z.B. von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, der Untergang des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg an die Wand gemalt wurde, sollte das Land den Ausstieg aus der Finanzierung beschliessen. Mithin wurde den Menschen also schlichtweg Angst um ihren Arbeitsplatz gemacht. Eine, wie ich finde zutiefst unsportliche und undemokratische Vorgehensweise (gerade diese neoliberale Strategier der Bahnhofsbefürworter gilt es einmal, weiter zu analysieren). Und dies dazu noch mit dem Einsatz von Steuergeldern, wie z.B. der Stuttgarter OB Wolfgang Schuster mit einem Brief an alle Wählerinnen und Wähler in Stuttgart, oder der Verband Region Stuttgart mit großformatigen Anzeigen in Tageszeitungen und im Internet. Auch hiess es, seltsamerweise genau bis zum Tag nach der Volksabstimmung, der Kostenrahmen würde eingehalten. Doch schon am Tag darauf forderte Bahnchef Grube, auch das Land müsse sich an den erwarteten Mehrkosten beteiligen.

Viele – vor allem die, die das schon immer gefordert haben – tönen nun, nach der Volksabstimmung müsse nun Schluss sein mit der Diskussion und der Bahnhof müsse “endlich” gebaut werden (die Bauarbeiten laufen in Wirklichkeit ja schon seit einigen Jahren, der Nordflügel des Bonatzbaus wurde bereits vor eineinhalb Jahren unnötigerweise früh abgerissen, durch Ab- und Umbauarbeiten im Gleisvorfeld kam es bereits zu massiven Verzögerungen und Zugausfällen, vor allem im S-Bahn-Verkehr), er sein nun schliesslich endgültig legitimert.

Diese “Basta”-Einschätzung teile ich nicht. Denn zum einen scheint es angesichts des unglaublichen Mitteleinsatzes der Bahnhofsbefürworter sehr unrealistisch, dass das Ergebnis der Volksabstimmung überhaupt anders hätte ausfallen können, die millionenteure VA mithin also eine scheindemokratische Farce war.

Zum anderen hat sich ja auch rechtlich durch die Nicht-Zustimmung zum Ausstieg wenig geändert. Zwar fiel der Kündigungsgrund “Bürgerwunsch” weg, doch die anderen Kündigungsgründe besehen weiter. Hier sei beispielhaft einmal die nachgewiesen mangelhafte Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Kellerbahnhofs genannt. Die Leistungssteigerung ist jedoch Teil des Vertragswerks, einem Tiefbahnhof, der dieses Leistungsversprechen absehbar nicht erfüllen kann, fehlt letztendlich also auch die demokratische Legitimierung. Auch will ich nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass auf den Stimmzetteln nicht stand “der Regierung ist es verboten, Kündigungsrechte auszuüben”.

Noch immer steht die Aussage der Landesregierung, keine Mehrkosten zu übernehmen. Die Finanzierungsvereinbarung sieht für den Fall der Kostensteigerung erneute Gespräche zwischen den Vertragspartnern vor. Doch gerade der Vertragspartner Landesregierung hat ja bereits (koalitions-)vertraglich seine Verhandlungsposition für solche Gespräche festgelegt. Das Land hätte also erneut einen Kündigungsgrund, entweder durch den Wegfall bzw. einer Veränderung der Geschäftsgrundlage, oder aber weil die Bahn durch vertragswirdiges Verhalten bezüglich der Kostentransparenz selbst einen Grund liefert.

Ein Ausstieg aus dem Vertragswerk scheint also eigentlich in greifbarer Nähe. Die Volksabstimmung wird sich im Nachhinein auch als die Farce erweisen, die sie von konstruktionsbedingt Anfang an war, was der Koalition vermutlich einigen Schaden zufügen wird. Doch die 28%, die mit “Nein zum Ausstieg” gestimmt haben, waren vermutlich sowieso keine Freunde der grün-roten Koalition.

Für mich persönlich bedeutet dies alles, dass es durchaus Sinn macht, weiter gegen das Projekt Stuttgart 21 und seine Folgen zu protestieren. Gerade jetzt gilt es, weiteren Schaden von Stadt, Region und Land abzuwenden, wenn die Bahn sehenden Auges weiterbaut. Eine Deutungshoheit der 28% erkenne ich jedenfalls nicht an. Bis Montag.

Blog-Update: Tweets der Woche deaktiviert

05.10.2011, 21:45 Uhr

Ich habe soeben die automatische Generierung des wöchentlichen Twitter-Digests von twitter.com/roadkill deaktiviert. Das liest außer mir ja wohl sowieso keiner. Zugegeben, es war für viele Wochen nun der einzige Content hier im Blog. Das soll sich ändern.

Wenn mehr als keiner gegen die Abschaltung protestiert, aktiviere ich es auch wieder ;-)